
von Kantonsrat Jürg Leuthold, Aeugst am Albis
(es gilt das gesprochene Wort!)
Sehr geehrter Herr Gemeindepräsident, verehrte Damen und Herren Bonstetter, geehrte Geburtstagsbesucher aus Nah und Fern, liebe Kinder und / oder Säuliämtler
Sollten Sie sich nun eine Staatsmännische Rede vorgestellt haben mit dem Beginn: "Liebe Eidgenossinnen und Eidgenossen, Im Namen Gottes" etc., etc., so muss ich Sie leider enttäuschen. Es entspricht der Wahrheit und darüber bin ich stolz und stehe dazu, dass ich gerne ein Schweizer, oder noch besser gesagt, ein Eidgenosse bin. Ein Säuliämtler aus echtem Schrot und Korn. Bis noch vor wenigen Jahren sprachen die übrigen Kantönler eher vom Amt oder vom Knonaueramt. Aber streiten wir uns heute nicht über die Geschichte. Vielmehr dürfen Sie als Bonstetter stolz sein, spricht doch fast jeden Abend Ihre Raphaela Höhn auf TeleZüri bei Wetter dot com vom Säuliamt. So hat sie doch auch das heutige Wetter vorausgesagt. Seien wir stolz auf unsere Heimat. Ich bin stolz auf unser Säuliamt, auf unsere Eidgenossenschaft. Schweizer könne ja im Übrigen jeder werden; aber eben nicht Jeder oder Jede werde Eidgenosse!! Dass vieles mit Glauben jeglicher Art zu tun hat, ist auch für mich klar. So wäre meine Aussage "Im Namen Gottes" also auch nicht falsch.
Zum heutigen Geburtstagsfest will ich entsprechend nicht die Geschichte in den Vordergrund stellen, sondern Ihnen Gedanken zur Zukunft in die Tafelrunde werfen. Vielleicht geht es Ihnen wie mir und meiner Familie. Am kommenden Mittwoch feiert eine unserer Töchter ihren Geburtstag. Für unsere Familie seit Jahren eine Selbstverständlichkeit, dass solche Tage Anlass bieten um sich zu treffen, zu diskutieren, ein feines Essen und Trinken zu geniessen. Ja um zu feiern. Gemeinsam. Sie alle könnten den heutigen Geburtstag auch in Ihrem trauten Heim d.h. an der Rütistrasse, der Aumühlistrasse, am Lärchenhofweg oder im Schachen, in Wettswil, Stallikon oder wo auch immer Sie sich wohlfühlen, feiern und diskutieren. Ich freue mich selbstverständlich, dass Sie sich entschieden haben, hier an diesem wunderschönen Ort, mit Fremden, Bekannten oder Freunden zu diskutieren und anzustossen. Ich danke Ihnen aber auch, dass ich Ihnen meine persönlichen Gedanken mitteilen darf. Fühle ich mich doch zu Bonstetten und wie gesagt zu unserer Heimat, zu Ihnen, zur Musik oder zur Feuerwehr einfach herzlich verbunden.
Vorhin habe ich nebst der Familie und den Freunden auch die Fremden erwähnt. Nicht ohne Grund, meine Damen und Herren. Ein Optimist - wie ich einer bin - sieht gerne in die Zukunft, aber nicht ohne sich darüber Gedanken gemacht zu haben. Um seine persönliche Zukunft planen zu können, um in und mit ihr leben zu wollen ist es noch nie schlecht gewesen, die Vergangenheit zu analysieren oder sich mit effektiven Zahlen und Fakten einzudecken. Heute interessieren mich nicht die Aktienkurse oder wie viel in den letzten Tagen oder Wochen gewonnen, Entschuldigung verloren hat. Heute interessiert mich in keiner Art und Weise ob die Geschichte gewisse Fehler aufweist und ob etwelche Korrekturen in den Büchern oder besser gesagt auf dem Internet angebracht wären.
Heute interessiert mich die Zukunft, ob Jung oder Alt, ob von Bonstetten, dem Säuliamt oder irgendeinem Ecken dieser Welt. Die Zukunft unserer, Ihrer Gemeinde, unserem Bezirk aber auch unserer Eidgenossenschaft. Noch vor wenigen Jahren haben wir Einwanderungszahlen vom Bund erhalten, die uns aufhorchen liessen. Damals dachten die Meisten, nein soweit darf es doch überhaupt nicht kommen. Wenn diese Zahlen von damals der heutigen Realität entsprechen würden, wären heute - und dies vorsichtig ausgedrückt - die meisten glücklich. Hätte ich Ihnen vor ein, zwei Jahren am Geburtstag der Schweiz brandschwärzen wollen, die Schweizerische Luftgesellschaft Swissair wird bald nicht mehr in die Lüfte steigen können oder einer Grossbank gehe es massiv schlecht. Sie hätten mich ausgelacht; und ich glaubte, ich glaubte zu Recht. Nie hätte ich so schlechte Gedanken - und wenn schon - würde ich Sie hier sicherlich nicht aussprechen.
Und trotzdem entschied ich mich für heute Ihnen ein Gesprächsthema liefern zu wollen, das - so meine ich auf jeden Fall - uns in den nächsten Jahren grosse wenn nicht zu sagen grösste Probleme und Veränderungen bringen wird.
Im Militär hat die hier anwesende Generation Arrest bekommen, wenn sie nicht korrekt grüsste, wir hatten unsere Probleme mit dem Haarschnitt und heute seien es die Drogen.
Genau hier haben wir unsere Gedanken anzusiedeln, hier müssen wir für die Zukunftsplanung einhacken und unsere Meinung mitteilen. Unser Demokratieguthaben einlösen, beziehungsweise verwirklichen. Ich meine natürlich nicht explizit das Militär. Ich meine unsere Gesellschaft, unser gemeinsames Zusammenleben, unsere Kultur, unser Verständnis z.B. "Einer für Alle, Alle für Einer". Was haben die dummen Gedanken damit zu tun indem die Mittelalterliche und ältere Generation mehr Krankenkassenprämien zahlen sollten. Was hat dies mit unserer Solidarität zu tun. Obwohl es verpönt ist, gebe ich Ihnen anschliessend noch einige Zahlen bekannt. Wir alle werden älter. Noch vor wenigen Jahren haben es sich die Dienstleister d.h. insbesondere Banken und Versicherungen erlaubt, Frauen bereits ab 53, meine Damen 53 Lenze und Herren mit 55 in die Pension zu schicken. 1948, bei der Einführung der AHV wurden die Durchschnittsschweizer nicht einmal siebzig jährig und heute bereits um bzw. über die Achtzig. Hier müssen wir uns doch Gedanken machen, ob und welche Veränderungen angebracht sind. Immer weniger sind im aktiven Erwerbsleben tätig für immer mehr Rentnerinnen und Rentner. Der zweite Teil, eigentlich eine wunderschöne Sache und ich gönne es allen, die dies geniessen dürfen. Viele dieser Rentner haben doch ihren grossen Obolus in der Arbeitswelt und somit ihre Beiträge geleistet. Wir, d.h. Sie und ich wollen noch weiterhin die Beiträge leisten dürfen, wir wollen aber auch in zehn, zwanzig oder dreissig Jahren eine sichere - mit Betonung sichere Rente beziehen dürfen.
Sie gehen mit mir sicherlich einig wenn ich sage, wie einfach ist es doch, die schlechte, rauchende und kiffende Jugend hin zu stellen. Wie einfach ist es, den Staat dafür verantwortlich zu machen. Wie einfach ist es bereits in der jüngsten Kindheit Verantwortung und Zepter abzugeben damit der Staat die Verantwortung aber auch die Kosten übernehmen solle. Meine Damen und Herren, dies und noch viel mehr gehört heute zur Tagesordnung. Fordern, fordern und nochmals fordern. Sie erinnern sich bestimmt an die Worte von mir zur Geburtstagsfeier. Die Familie trifft sich, tauscht Gedanken aus und geniesst bei Speis und Trank. Wohlverstanden bezahlt aus dem eigens Verdienten. Sind wir heute tatsächlich soweit, dass wir Konsumieren aber auch Produzieren ohne jegliche Verantwortung - sei dies Finanziell oder aber eben auch Institutionell zu übernehmen? Ich meine Nein. Sind wir doch wider stolz auf diese Verantwortung und nehmen sie mit allen Konsequenzen war. Dazu gehört auch die Realität vom älter werden. Schön, gesund und bei finanziell gesicherter Zukunft das Alter geniessen zu können! Aber, meine Damen und Herren sind wir uns dies bewusst, was dies auch bezüglich unserem offenen Land bedeutet. Wir bieten jeder Frau, jedem Kinde und jedem Mann dieser Welt eine neue Heimat. Menschen aus anderen Kulturen, mit anderem Gedankengut wollen nicht nur, Sie erlauben wenn ich sage nur, nicht nur vorübergehend unsere Dienste in Anspruch nehmen, nein sie wollen selbstverständlich auch hier alt werden und sämtliche Vorzüge unserer Eidgenossenschaft in Anspruch nehmen.
Die Zukunft für unsere älteren Menschen ist ein klares Muss für mich und ich hoffe auch für Sie. Sie und ich wollen zur Stärkung der Selbständigkeit der älteren Menschen in ihrem Alltag, zum Ausbau der gegenseitigen Hilfe und Solidarität zwischen den Generationen und innerhalb der Generation der Älteren einstehen. Die Förderung der aktiven Teilname älterer Menschen am gesellschaftlichen und politischen Leben etc., etc., dafür wollen wir uns doch einstehen im Bewusstsein, meine Damen und Herren, dass sich in der Entwicklung der Bevölkerung nach den heute zur Verfügung stehenden Hochrechnungen bis ins Jahr 2010 massiv verändern wird. Ich habe es Ihnen angedroht, jetzt werfe ich Ihnen ein paar Zahlen an den Kopf, die auch Ihnen Diskussionsstoff liefern sollen.
Die Zahl der Menschen im Alter zwischen 65 und 79 wird in unserem Kanton auf rund 150'000, d.h. gegenüber heute um gut 10% ansteigen.
Die Zahl der über 80-jährigen wird um rund 15% steigen und bei etwa 56'000 Menschen liegen.
Der Anteil der über 65-jährigen an der Gesamtbevölkerung erhöht sich von 15,3% auf 17%.
Und nun hören Sie gut zu; die Zahl der Ausländerinnen und Ausländer im AHV-Alter wird überproportional zunehmen. Ihr Anteil an der Altersbevölkerung steigt von derzeit rund 7% auf 19%. Ausserdem ist damit zu rechnen, dass dieser Teil der Bevölkerung zunehmend einen in der Schweiz bis wenig bekannten ethnischen und kulturellen Hintergrund haben wird. Sie verstehen was ich damit meine. Sie selber als Aktivmitglied in einem Ihrer Vereine, bei den Schützen, den Turnern, im Chor, Ihr vom Musikverein, in der Kirche und und und…………..
Wir dürfen uns nicht verstecken und sagen ja ja dies ist doch Bundespolitik. Diese Bundespolitik hat schlussendlich mehr zu tun mit Ihnen und mit mir als mit dem Bund. Danken wir, dass wir alle älter werden dürfen um auf dieser schönen Welt noch länger verbleiben zu können. Nehmen wir aber auch unsere demokratischen Rechte war und entscheiden wie wir unser Leben im Alter und mit wem in welcher Form verbringen wollen!!!!!
Selbstverständlich ist das Wachstum von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich. In Bonstetten haben wir bei rund 4000 Einwohnern ca. 13% Ausländer und mit rund 9% Mitmenschen über 65-jährig liegen wir weit unter dem Durchschnitt.
Fazit oder besser gesagt zusammenfassen müssen wir festhalten - und ich hoffe natürlich Sie teilen meine Meinung - es darf uns innerhalb Ihrer Gemeinde nicht egal sein, wie die Geburtstage in Ihrer nächsten Umgebung und unserer Schweiz gefeiert werden. Gehen wir positiv in die Zukunft bei wachen Augen und der Realität, dass mit einer weiteren Öffnung von Menschen anderer Kulturen und Gedanken diese auch Anspruch auf unser Sozialsystem erheben und wir uns diesen Folgen bewusst sein müssen. Ich meine damit, wenig dafür geleistet zu haben, aber auf der anderen Seite den vollen Anspruch erheben werden. Hören wir auf mit den Negativbildern einer schlechten Jugend und übergeben diese mehrheitlich dem Staat für Erziehung und Ausbildung, sondern behalten oder übernehmen wiederum die Verantwortung aber auch die damit klar entstehenden Kosten. Sehen wir der Entwicklung vom älter werden positiv in die Augen, verdrängen aber nicht, was dies für uns alle bedeuten mag. Die Menschheit ist eine Familie. Aber zu viele Verwandte in einem Zelt können auch zu viele sein. Nehmen Sie Ihre Rechte und Verantwortung war und bestimmen Sie mit mir die Zukunft. Wer, wann und wie in Ihrem Verein, Ihrer Familie, Ihrer Gemeinde und unserem Säuliamt mitbestimmen sollen bestimmen zum Glück heute noch wir.
Ihnen allen wünsche ich eine gesicherte, von Ihnen bestimmte Zukunft und wünsche dieser grossen Gemeinschaft ein gemütliches Geburtstagsfest.
Jürg Leuthold, SVP Aeugst am Albis