Ernst Äberli (1893-1980), genannt Funk, war ein ewiger Querulant und ein unverbesserlicher Geizhals dazu. Wie er zu seinem Übernamen kam, weiss niemand so recht. Nur dass er böse und ausfallend wurde, wenn man ihn damit ansprach, wissen viele zu berichten.
Mit seiner Schwester Luise führte er im sogenannten Äberlihuus in Bonstetten einen Kleinbauernbetrieb als Selbstversorger. In der Scheune hinter dem Haus standen vier Kühe, ein Pferd und eine Sau, im Vorgarten wuchsen Spalierbirnen, etwas Gemüse und ein prächtiger Fliederbusch.
Dieser Fliederbusch hatte es in sich. Aberlis Gärtchen grenzte genau dort an die Dorfstrasse, wo sie eine 90-Grad-Kurve beschreibt. Der Fliederbusch aber in seiner üppigen Pracht streckte die Äste weit in die Strasse hinaus und verdeckte so den Auto- fahrern die Sicht. Was an dieser Stelle nicht, ganz ungefährlich war. Die Gemeinde intervenierte deswegen ebensooft wie vergebliech.
Funks Gartentor öffnete sich auf die Strasse hinaus. Wer glaubt, er hätte sich jeweils umgesehen, ob ein Fahrzeug daherkam, der täuscht sich. Wer war zuerst dagewesen? Sein Gartentor oder die Autos? Ein klarer Fall also. Ebenso klar auch, dass er rücksichtslos mit dem Brückenwagen aus dem Scheunentor direkt auf die Strasse fuhr - rückwärts! Stoppstrassen und sonstige Strassenvorschriften waren für ihn inexistent. Sein Spruch "I bi zeersch daa gsii; di andere söled uufpasse" ist noch heute allgemein bekannt.
Ebensowenig
beeindruckte ihn die Androhung einer Busse, falls er weiterhin mit der Sense
auf der Schulter ins Feld fahre, ohne diese zu "entschärfen", beziehungsweise
das Blatt mit einem schützenden Futter zu umhüllen. Staunend und kopfschüttelnd
standen die Dorfbewohner - zu ihrem eigenen Schutze - still, wenn er daherradelte.
Im höheren Alter dann, bereits etwas wacklig auf dem Zweirad, aber noch immer
steckengerade auf dem Sattel sitzend, hat ihn der Illustrator des Ottern beobachtet
und skizziert. Was er mit stechendem Blick und nicht gerade freundlich registrierte.
Der Äberli Ernst war ein geiziger Mann. Nicht nur, wenn es um "unnötiges Zeugs" ging. In seinem Stall waren die Bodenbretter so altersschwach, dass sein Pferd - es mochte im Jahre 1947 sein - im Boden einbrach und in die darunterliegende Jauchegrube stürzte. Mit Hilfe einiger Nachbarn wurde das Pferd mit Seilen aus seiner misslichen Lage befreit. Dass die Episode an der darauffolgenden Fasnacht ein Sujet abgab, machte den Funk fuchsteufelswild.
Wie die Überlieferung weiss, wurde Äberli zum Präsidenten der Viehversicherung Bonstetten gemacht, weil er ständig über alles und jedes meckerte. In dieser Funktion begleitete er einmal seine Vorstandskollegen nach Wohlen, wo ein Viehtransportwagen gekauft werden sollte. Nachdem der Handel abgeschlossen war, wurde der Abordnung aus Bonstetten ein Imbiss mit Riesenschüblig offeriert. Dem Funk kullerten die Augen schier aus dem Kopf, als er die grosse Wurst sah: "Dèè bring i mim labe nie in Buuch ine." Wen wundert's, teilte er doch im Rahmen eines "Festmahls" mit seiner Schwester jeweilen einen Servela.
Still, wenn auch wohl nicht arm, hat sich Ernst Äberli von dieser Welt verabschiedet. Eines Morgens fand man ihn tot der Stube auf. Das uralte, verwaschene Kafibeckeli stand noch halbvoll auf dem Tisch.
Nach persönlichen
Auskünften von Walter Äberli, Ernst Hedinger, Max Trostel
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Züri-Reihe, "Zürcher Originale", publiziert 1990 (vergriffen)
Abdruck mit Gemehmigung